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„Lasst die Athlet*innen nicht für die Versäumnisse der IWBF büßen“

Statement der Herren des Team Germany Rollstuhlbasketball zum Reassessment, dem Klassifizierungsstreit zwischen dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) und der International Wheelchair Basketball Federation (IWBF).

"Nach monatelangem Bangen um die Spielberechtigung unserer 4.5-Punktespieler haben wir nun die Gewissheit, dass alle unsere Teamkollegen die undurchsichtigen Kriterien des IPC erfüllen und somit berechtigt sind, an den kommenden Paralympics in Tokio teilzunehmen. Wir, die Spieler des Team Germany, empfinden es als unsere Pflicht, uns hinter die Athlet*innen zu stellen, die durch das International Paralympic Committee (IPC) so kurz vor den Spielen ausgeschlossenen werden.

Insbesondere weil wir eines der Teams sind, welches glücklicherweise nicht negativ vom sogenannten „Reassessment“ des IPC betroffen ist, ist es für uns selbstverständlich, dass wir allen Athlet*innen, die auf unfaire Weise von den Paralympics ausgeschlossen wurden, unsere volle Unterstützung zeigen.

Wir fühlen uns vom IPC, aber vor allem von unserem eigenen Dachverband, der IWBF, aufs massivste im Stich gelassen. Wie kann es sein, dass Athlet*innen, die bereits die Qualifikation mit ihren Teams für die Paralympics 2020 erreicht haben, nun ausgeschlossen werden? Wie kann das IPC Athlet*innen so kurz vor den Sommerspielen ausschließen, die jahrelang ihre berufliche Perspektive, Freunde und Familien dem Sport untergeordnet haben?

Wir erkennen die Verpflichtung des IPC an, einen gemeinsamen, paralympischen und sportartübergreifenden Kodex zu erschaffen. Wenn die paralympische Bewegung allerdings Menschen ausschließt, die an keiner anderen Sportart auf höherem Niveau aufgrund ihrer Minimalbehinderung teilnehmen können, dann fragen wir uns, wo diese Athlet*innen ihren Platz im Sport finden sollen. Aufgrund ihrer Einschränkung können die vom IPC ausgeschlossenen Athlet*innen weder am olympischen, noch am paralympischen Sport auf Leistungsniveau teilnehmen.

Wir bitten das IPC um eine Übergangsregelung für Tokio. Lasst die aktuell ausgeschlossenen Athlet*innen nicht für die Versäumnisse der IWBF büßen. Lasst die, die sich bereits mit ihren Teams für Tokio qualifiziert haben, teilnehmen. Langfristige Vorbereitungen und Planungen des eigenen Lebens würden durch diese Ausschließung so kurz vor den Paralympics einen enormen Schaden bei diesen Menschen anrichten. Wer sich offiziell qualifiziert hat, hat sich auch die Ehre verdient, an den Paralympics teilzunehmen.

Rollstuhlbasketball ist ein Sport, der Menschen mehr vereint als jeder andere. Er gibt uns die Möglichkeit, Inklusion vorzuleben. Das eigene Handicap tritt völlig in den Hintergrund. Egal welches Alter, egal welches Geschlecht, egal welche Behinderung – Rollstuhlbasketball leistet einen immensen Anteil daran, Menschen mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen. Nun Menschen auszuschließen, die teilweise seit Jahrzehnten die Kriterien erfüllt haben, bereits bei vergangenen Paralympics dabei waren und gar Medaillen gewannen, ist für uns nicht verständlich.

Es gibt mehr als genug andere Beispiele im paralympischen Sport, in denen sogar Menschen ohne Behinderung für die Paralympics trainieren und auch an ihnen teilnehmen. Im Blindenfußball (Football 5-a-side)ist ein nicht-blinder Torwart Teil des Teams. Blinde Marathonläufer werden von einem nicht-blinden Guide geführt. Eine solche Symbiose würde auch den Rollstuhlbasketball stärken. Werden mehr und mehr 4,5er ausgeschlossen, leidet der Konkurrenzkampf und somit auch die Qualität des Sports. Ohne einen gesunden Konkurrenzkampf auf der 4,5er Position würde es auch dazu führen, dass 1,0-Punktespieler tendenziell weniger eingesetzt werden.

Wir verstehen die Intention der IWBF, an dem bisherigen und für unseren Sport passenden Klassifizierungssystem festzuhalten. Es aber soweit kommen zu lassen, dass die Spiele in Tokio und Paris eventuell ohne Rollstuhlbasketball stattfinden sollen, ist für keinen von uns akzeptabel. Laut des IPC wurde die IWBF bereits im Jahr 2015 über ein bevorstehendes „Reassessment“informiert. In diesen fünf Jahren hätte die IWBF Zeit gehabt, mit seinen Athlet*innen über diese Situation zu diskutieren und sie mit in den Prozess zu involvieren. Als diejenigen, die unseren Sport repräsentieren, wollen wir nicht, dass über unsere Köpfe hinweg diskutiert und entschieden wird, sondern mit uns. Wir fordern von der IWBF die Wahl von Athletenvertreter*innen, die an solch wichtigen Prozessen von Anfang an ernsthaft beteiligt werden und in Abstimmung mit den Athleten*innen mitarbeiten können."

Team Germany Herren im August 2020

Statement of Wheelchair Basketball Germany Men

"Months of anxious waiting are behind us. We finally got the news that all our 4.5 Players fulfill the non-transparent criteria of the IPC and therefore are eligible for the Tokyo Paralympics. We, the players of Team Germany stand with all athletes that are at risk of being excluded by the IPC on such a short notice.

We want to express our full support, to all athletes that are involved in this reassessment; especially because we are one of the teams that are not affected by the IPCs unfair decision.

In these times we feel abandoned by the IPC but also by our own governing body, the IWBF. How is it possible that athletes that qualified for the Paralympics get excluded? Why must the IPC expel athletes from the 2020 Summer Games, who prioritised Sport over their career opportunities, family and friends for years?

We recognize the obligation of the IPC to establish a common and all sports-covering Paralympic-Sport code. If the Paralympic movement however starts to exclude people who therefore cannot participate in any Olympic or Paralympic level performance Sport, where will that lead to?

We ask the IPC for a transition regulation for the Tokyo Games. Do not let the Athletes pay for the shortcomings of the IWBF. Let those who have qualified for the Tokyo Games participate. Every athlete plans their lives around such an event. The exclusion of athletes on such a short notice would do a significant amount of damage to their lives. Those who have qualified should receive the honour of taking part in the Paralympics.

Wheelchair-Basketball brings people together like no other sport. It gives us the opportunity to live inclusion. Ones own disability becomes insignificant. No matter the age, sex or disability; Wheelchair-Basketball unites. To exclude people, that have met the criteria in the past, and already participated in Paralympics maybe won medals, is incomprehensible.

There are more then enough examples in Paralympic-Sport where people without a disability train for the Paralympics and even compete in them. A sighted goalie is part of the Football 5-a-side. Marathon T/F12 Athletes have a sighted guide. Wheelchair-Basketball would benefit from such a symbiosis greatly. The exclusion of 4,5 Players in Wheelchair-Basketball would result in reduced competitiveness and therefore would hurt the sport dramatically.

We understand the intention of the IWBF to maintain the well-constructed classification system that has benefited our sport for years. But the idea that Wheelchair- Basketball could no longer be part of the Paralympics is unacceptable.

The IWBF was informed of an Reassessment as early as 2015 according to the IPC. In those years the IWBF had the time and opportunity to include their athletes in a discussion and find a solution and they didn’t do this. We as representatives of our sport want to be involved in such decisions. We request from the IWBF the election of Athlete representatives. Those representatives will give all players a voice and should be included in the decision-making process of the IWBF."

Team Germany August 2020

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