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„Zehn turbulente Monate im Rollstuhlbasketball in Deutschland“

Seit 1. November 2019 sind Christoph Küffner und Laura Löffler die Vorsitzenden im Rollstuhlbasketball in Deutschland. Trotz unerwarteten Aufgaben wie dem Erstellen von Hygienekonzepten in der Corona-Pandemie oder dem Klassifizierungsärger der Nationalmannschaften vor den Paralympics arbeiten beide optimistisch daran, die Sportart für die Zukunft nachhaltig aufzustellen.

„Corona stand nicht auf der To-Do-Liste“, sagt Christoph Küffner mit Blick auf die vergangenen zehn Monate, „aber wir sind ja flexibel.“ Tatsächlich war am 1. November 2019, als Küffner zusammen mit Laura Löffler als Stellvertreterin als Führungsteam des Fachbereichs Rollstuhlbasketball im Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V. berufen wurde, nicht absehbar, dass die Planungen derart torpediert werden würden: Der pandemiebedingte Abbruch der RBBL-Playoffs, die Überprüfung aller Nationalspieler*innen im Klassifizierungsstreit zwischen dem International Paralympic Commitee und der International Wheelchair Basketball Federation oder die Verschiebung der Paralympics waren zum Jahreswechsel nicht vorherzusehen. „Trotz dieser Herausforderungen macht es aber viel Spaß, mit diesem Team für den Rollstuhlbasketball in Deutschland zu arbeiten“, sagt Küffner.

Auch wenn die angeführten Widrigkeiten viel Zeit gekostet haben, gelang es dem Vorstand, viele Themen umzusetzen und anzustoßen, die sie von Beginn an auf der Agenda hatten. „Nach außen ist vielleicht nicht viel passiert, weil kein Sport stattfinden konnte. Aber wir haben eine ganze Menge bewegt, von dem wir nachhaltig profitieren können“, sagt Laura Löffler optimistisch. Mit den anderen Vorstandsmitgliedern seien Küffner und sie ständig in Kontakt, vor allem aber miteinander: „Christoph und ich haben an viele Tagen eine Standleitung, ein rotes Telefon quasi“, sagt Löffler und lacht.

Generell wurde die Kommunikationsstruktur im Vorstand neu gestaltet und mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) und dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) fand ein engerer Austausch statt. Mit dem DBS wurde auch eine Vereinbarung in Bezug auf den Umgang mit Sponsorengeldern aufgesetzt und mehr in die Sponsorenbetreuung investiert, sodass auch Hauptsponsor ING und Sponsor Wellspect in der Krise die Vertragsverlängerungen bekannt gaben.

Sichtbare Veränderungen gab es in der Öffentlichkeitsarbeit: Mit dem Slogan Rollstuhlbasketball in Deutschland wurde eine Dachmarke kreiert, die künftig gestärkt werden soll und auf der neuen Webseite www.rollstuhlbasketball.de ebenso wie in den sozialen Medien in einem eigenen Design erscheint. Auch der Auftritt der Nationalmannschaften wird überarbeitet, dort läuft auf dem Instagram-Kanal des Team Germany während des ursprünglichen Paralympics-Zeitraums ein Rückblick auf vergangene Spiele mit dem Ziel, generell ein Archiv für den Rollstuhlbasketball in Deutschland aufzubauen. Zudem wurde nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Rollstuhlbasketball-Magazin Rollt. intensiviert und verbessert, sondern mit Erscheinungen im Magazin BIG – Basketball in Deutschland und auf den Kanälen des Deutschen Basketball-Bundes die Sichtbarkeit des Rollstuhlbasketballs im Fußgänger-Basketball erhöht.

Im Klassifizierungsstreit zwischen dem IPC und der IWBF, der dazu führte, dass Rollstuhlbasketball für die Paralympics in Tokio auf Bewährung und für Paris 2024 vorläufig aus dem Programm genommen wurde, haben sich Küffner und Löffler dafür ausgesprochen, dass den Spieler*innen keine Kosten entstehen dürfen. „Das ist mehr als bedauerlich, dass vor den Paralympics so etwas passiert und dann auch noch eine deutsche Spielerin vom Paralympics-Ausschluss betroffen ist“, sagt Küffner mit Blick auf Barbara Groß, die als eine von neun Spieler*innen weltweit nach IPC-Regularien als nicht behindert genug eingestuft wurde.

Den Vorsitzenden war es zudem wichtig, die Digitalisierung im Rollstuhlbasketball in Deutschland voranzutreiben. Viele Meetings fanden online statt, ein Online-Stammtisch mit Hans-Jürgen Bäumer, der für den Spielbetrieb zuständig ist, war freitagabends gut besucht. Da die Trainerfortbildungen nicht wie geplant stattfinden konnten, setzten die Vorsitzenden durch, dass die Online-Fortbildungen zur Lizenzverlängerung anerkannt werden. „Das war definitiv ein Riesenerfolg und ein harter Kampf“, sagt Löffler.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie war ein schnelles und umsichtiges Handeln wichtig: Schon Anfang März entschied der Vorstand, die Playoffs in der RBBL nicht auszuspielen und die Ligen herunterzufahren, dazu wurde die Online-Plattform #RatAnRad entwickelt mit den wichtigsten Fragen zum Umgang mit der Pandemie – ebenso wie ein Leitfaden für die Vereine zur Erstellung eines Hygienekonzepts, damit der Wiedereinstieg in den Sport auch während Corona gelingen kann. „Da haben die Vereine auch immer gut mitgezogen“, sagt Küffner. Der Vorstand entschied darüber hinaus, einmalig aufgrund der Pandemie einen Kostenerlass für die Vereine zu bewilligen.

Um nicht nur die RBBL zu stärken, bei der zukünftig der RBBL e.V. als verlängerter Arm des Fachbereichs in der Vermarktung der Bundesligen eigenständig aktiv werden soll, stellte sich auch die Frage, wie die 2. Liga attraktiver werden könnte – ein Konzeptpapier sieht nun unter anderem vor, dass künftig ein Zweitliga-Meister ausgespielt werden soll. Zudem ist es ein Ziel, die Regionen neu zu strukturieren, um Rollstuhlbasketball auch in den unteren Ligen packender und sichtbarer zu machen. Auch die Deutsche Damen-Meisterschaft soll für 2022 eine komplette Überarbeitung bekommen, um für die Spielerinnen interessant zu sein, mit dem Queens Cup wird ein Breitensport-Turnier nur für Frauen entwickelt.

Von den anfangs definierten Schwerpunktprojekten für 2020, die nach einer Bestandsaufnahme des Rollstuhlbasketballs in Deutschland niedergeschrieben wurden, konnten aufgrund der Pandemie nur zwei von vier umgesetzt werden: Die Öffentlichkeitsarbeit stärken und in Person von Küffner maßgeblich in der AG Zukunft mitzuwirken. Dort werden Schwachstellen und Potenziale des Rollstuhlbasketballs in Deutschland analysiert, eine Finanzordnung erarbeitet und eine Mission und Vision definiert.

Die Schwerpunktprojekte Kinder und Jugend sowie Talententwicklung wurden hintergründig angestoßen, auch wenn coronabedingt nicht so viel passieren konnte, wie gewünscht war. Herren-Bundestrainer Nicolai Zeltinger half beispielsweise in Sachsen beim Aufbau einer Landesauswahl, damit dort Talente besser gefördert werden können. Für den Kinder- und Jugendbereich wurde auch ein Konzept erstellt, wie sich der Rollstuhlbasketball im Nachwuchsbereich für Wirtschaftspartner spannend präsentieren kann. „Unser ganzes neues Design hat das Ziel, Kinder und Jugendliche für unseren Sport zu begeistern und uns haben in diesem Jahr schon viele geschrieben, dass sie gerne Rollstuhlbasketball spielen würden“, sagt Löffler: „Wir wünschen uns, dass wir 2021 mit TryOuts und einem Kids Camp noch mehr Kinder und Talente finden, die Lust auf unseren Sport haben.“

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